Apotheker*in – ein Beruf der Zukunft?

Apotheker DANIEL SIEBERT in Apotheke mit Eis

Die Bevölkerung ordnungsgemäß mit Arzneimitteln zu versorgen ist der gesetzliche Auftrag der Apothekerinnen und Apotheker in Deutschland. Dieser trockene Begriff fasst die ganze Daseinsberechtigung unseres Berufes zusammen, oder doch nicht? Was ich unter meinem Beruf, dem Beruf des Apothekers in der öffentlichen Apotheke verstehe, erkläre ich hier. Interesse auf mehr? Dann Lies weiter.

Gefunden und trotzdem suchen

Ich wollte es eigentlich nie machen. Klar ich wusste was es bedeutet Inhaber einer Apotheke zu sein, bin ich doch in einer Land-Apotheke groß geworden. Im wahrsten Sinne des Wortes lernte ich Laufen zwischen dem HV (Handverkaufstisch) und den Schubschränken. Wie viele meiner Generation, ich bin 1982 geboren, war mir nicht ganz klar was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Eines war klar: Auf keinen Fall öffentliche Apotheke. Warum ist es dann doch die öffentliche Apotheke geworden? Tja, es ist das beste was mir passieren konnte. Aber langsam der Reihe nach.

Studium der Selbstfindung

Über Umwege und Irrungen und Wirrungen des Studiums in Marburg zwischen Bier, Bratwurst, Sonnenschein und Lahn lernte ich, wie ich mit meiner vermeintlich neu gewonnen Freiheit umgehen musste und welche Verantwortung mir selbst gegenüber, ein selbstbestimmtes Leben mit sich brachte. Ich war in der glücklichen Lage während des Studiums nicht arbeiten zu müssen. Rückblickend betrachtet hätte es meine Findungsphase „beschleunigt“, wenn ich mein Studium zumindest zum Teil hätte selbst finanzieren müssen. 

Alles macht doch irgendwie Sinn

Am Anfang des Pharmaziestudium war der Stoff doch etwas trocken und mir war, teils aus Naivität, teils aus Unwissenheit, nicht ganz klar, was das alles hier mit Pharmazie zu tun hatte. Aber etwa ab dem 6. Semester machte das doch alles irgendwie Sinn. Es ergab sich ein Gesamtbild, was mich doch mehr und mehr motivierte. So hatte ich die Klausuren im Grundstudium meist gerade so bestanden, getreu dem Motto: „Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss.“ Aber jetzt war es anders. Ich hatte Lust auch mal mehr zu wissen, nicht wegen der Note, sondern weil es einfach hoch interessant war. Trotzdem: Ich wollte in die Industrie und nicht in die öffentliche Apotheke. 

Apotheker in der Industrie – oder wie?

Auf einer Exkursion zu Merck nach Darmstadt wurde ich von dieser Vorstellung geheilt. Wir bekamen eine sehr interessante Führung, sehr gutes Essen und auch die Möglichkeit einen Apotheker zu befragen, der von seinem Job bei Merck absolut begeistert war. Ich war von seinen Antworten auf meine Fragen alles andere als begeistert. Und das machte mir schon gar keine Lust auf einen Job als Apotheker bei Merck, in der pharmazeutischen Industrie. Wieder war klar: Das willst du sicher nicht machen, nur eben diesmal: Kein Apotheker in der Industrie.

„Was tun?“, sprach Zeus.

Aber was nun? Keine öffentliche Apotheke, keine Industrie? Meine Antwort darauf: Erstmal Studium beenden und eine Dissertation, also eine Doktorarbeit, beginnen und erfolgreich abschließen. Folgerichtig trat ich in meinem praktischen Jahr eine Diplomandenstelle in einer Arbeitsgruppe an, bei der ich nach meiner Auffassung gerne eine Promotion begonnen hätte. Hätte. Dieses halbe Jahr entpuppte sich dann als der Gipfel der schlechten Erfahrungen. Diese Arbeitsatmosphäre war schon gar nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. 

Alles kann, nichts darf

Ich war Opfer meiner eigenen Vorurteile geworden, hatte völlig falsche Erwartungen. Was sollte ich nun tun? Aller guten Dinge sind aber nun mal drei und so war es ein Glücksfall, dass ich in einer öffentlichen Apotheke landete, in der man mir zeigte, dass es auch anders geht. Das war der Wendepunkt. Ich wusste: Das will ich machen.

Das ist mein Ding

Ich kann bis heute immer noch nicht sagen, was mich an der öffentlichen Apotheke so reizt. Ich glaube dazu gehört das hohe fachliche Niveau, der Umgang mit allen Typen von Menschen, mit allen Facetten des Lebens, der Abwechslungsreichtum und die freien Entfaltungsmöglichkeiten. Die Selbstständigkeit ist das Tüpfelchen auf dem „I“. Sie gibt mir die Entfaltungsfreiheit, um meine Ideen umzusetzen und die Erfahrungen von Erfolg und Misserfolg.

Apothekerin und Apotheker, Beruf der Zukunft

Was hat das jetzt mit der Zukunft zu tun? Die öffentliche Apotheke ist erstmal immer anders als man denkt. Man kann so viele Erfahrungen gesammelt haben, aber hat noch immer nicht alles gesehen. Sie ist ein enorm wichtiger Teil der Gesellschaft und verändert sich mit Ihr. Die öffentliche Apotheke gibt mir die Freiheit zu entscheiden nach meinem Wissen und Gewissen. Wir sind frei unsere Kunden zu beraten und Ihnen Arzneimittel zu verkaufen oder eben nicht. Wir helfen, wir unterstützen, wir lösen Probleme. Wir sind ein Leuchtturm für viele, die nicht mehr schritthalten können in einer sich immer schneller verändernden Welt. Ganz klar: Apothekerin oder Apotheker in der öffentlichen Apotheke ist ein Beruf mit Zukunft, mein Beruf für meine Zukunft und ein ganz wichtiger Beruf für alle Menschen unserer Gesellschaft jetzt und in Zukunft.

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